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Bräuche, Umzüge und süße Krapfen
04.02.2026

Zussln, glühenden Scheiben und ein trinkfester Zwerg

Lebendiges Brauchtum zwischen Vinschgau und Weinstraße

Ein Dröhnen erfüllt die Gassen von Prad. Männer in weißen Gewändern ziehen vorbei, behängt mit Kuhglocken, die bei jedem Schritt zusammenschlagen. Das ist Südtiroler Fasching: laut, archaisch, unvergesslich.

Die Glocke wiegt 22 Kilogramm. Martin schnallt sie sich um den Bauch, wie sein Vater vor ihm, und sein Großvater. Er richtet das weiße Gewand, streicht über die handgefertigten Papierblumen in Rosa, Gelb und Hellblau. Gleich beginnt das Zusslrennen in Prad am Stilfserjoch – ein Ritual, das hier seit Jahrhunderten am Unsinnigen Donnerstag stattfindet. Am 12. Februar 2026 ist es wieder so weit.

Sechs als weiße Schimmel verkleidete Burschen ziehen einen alten Holzpflug durch die Gassen, der Sämann wirft Sägemehl in die Menge. Das Scheppern der Schellen hallt zwischen den Hauswänden. Ein Klang, der unter die Haut geht. Wer diesen uralten Brauch einmal erlebt hat, vergisst ihn nicht. Von den Molaris Lodges in Mühlbach aus dauert die Fahrt nach Prad rund 2 Stunden. Doch jede Minute ist es wert, und auf der Strecke liegen zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die eine Besichtigung wert sind. 

Zehn Tage später, am 22. Februar, zum Beginn der Fastenzeit, lockt ein anderes Schauspiel in den Vinschgau: Beim Scheibenschlagen am Tartscher Bühel bei Mals bringen junge Männer handtellergroße Holzscheiben an Haselruten zum Glühen und schleudern sie in die Abenddämmerung. „Kas in der Tosch, Wein in der Flosch, Korn in der Wonn, Schmolz in der Pfonn, Pfluag in der Eard, Schaug wia main Scheibele ausigeat.“ Mit diesen oder ähnlichen Sprüchen wird die Scheibe in die Nacht geschleudert. Je weiter sie fliegt, desto mehr Glück wird dem Werfer zuteil. 

Nicht ganz so weit von Mühlbach entfernt, im Süden Südtirols, erwachen auch jedes Jahr alte Gestalten zum neuen Leben. In diesem Jahr der legendäre Perkeo in Salurn, jener trinkfeste Zwerg, der vor 300 Jahren als Mundschenk am Heidelberger Schloss das große Fass hütete. Sein Umzug, im Unterland Maschggra genannt, findet nur alle zwei Jahre statt.

Und nach all dem Trubel? Warten in den Südtiroler Backstuben die Faschingskrapfen: goldbraun gebacken und mit feinster Marillenmarmelade. Ein süßer Abschluss für einen ereignisreichen Tag, der im herrlich weichen Bett Ihres Lieblingszimmers endet.

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